Vergleich · Immobilien

Kaufen vs. Mieten

Kaufen oder mieten? Realistischer Vollkostenvergleich inkl. Opportunitätskosten, Wertentwicklung und Mobilitäts-Faktor.

Von Tobias Reuter · Immobilien, Haushalt und Alltag
Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert:
Option A

Kaufen

Kosten: 300.000800.000 € Kaufpreis EFH
Ideal für
  • · Familien mit langfristiger Wohnperspektive (15+ Jahre)
  • · Mittlere bis hohe Einkommen
  • · Pendler mit festem Arbeitsstandort
Option B

Mieten

Kosten: 8002.500 €/Monat Kaltmiete
Ideal für
  • · Junge Berufstätige mit Mobilitätsbedarf
  • · Anleger, die Kapital lieber breit streuen
  • · Stadtbewohner in teuren Metropolen

Quick-Verdict

Wenn familie 35 jahre, sicherer arbeitsplatz, kinder geplant: Kaufen (Option A) oder Mieten (Option B)?  Lies die Empfehlung pro Szenario weiter unten oder die ausführliche Conclusion am Seitenende.

Vergleichs-Tabelle

KriteriumKaufenMietenSieger
Erwerbsnebenkosten10–15 % vom Kaufpreis0 € (Provision oft Vermieter) Option B

Bei 400.000 € Kauf entstehen 40.000–60.000 € Kosten ohne wirtschaftlichen Gegenwert (Grunderwerbsteuer, Notar, Grundbuch, Makler).

Monatliche Belastung Stadt (Kaufpreis 600 T€ / Miete 1.800 €)~2.700 € (Zins+Tilgung+NK)~2.100 € (Warmmiete) Option B

In teuren Großstädten ist Mieten oft monatlich günstiger – Differenz kann in ETF investiert werden.

Wertaufbau 25 Jahre (Kauf)~700.000 € (Tilgung + Wertsteigerung)0 € (kein Eigentum) Option A

Wer 25 Jahre kauft, hat am Ende ein bezahltes Haus, der Mieter zahlt weiter.

Flexibilitätgering (Verkauf 8–12 % Kosten)hoch (3 Monate Kündigungsfrist) Option B

Job-Wechsel, Trennung, Lebensänderung – Mieter sind in Wochen umgezogen, Eigentümer brauchen 6–12 Monate.

Reparatur- & Instandhaltungskosten~1,5 %/Jahr vom Wert0 € (Vermieter trägt) Option B

Bei 400.000 € Wert sind das 6.000 €/Jahr – addiert über 25 Jahre 150.000 €, oft unterschätzt.

Inflations-Schutzhoch (Sachwert)gering (Mietsteigerungen) Option A

Eigentümer profitieren bei Inflation, Mieter zahlen real weiter dieselbe Wohnkosten-Quote.

Kaufen – Pro & Contra

Vorteile
  • Vermögensaufbau durch Tilgung
  • Wertsteigerung möglich
  • Eigene Gestaltungsfreiheit
  • Inflations-Schutz
  • Mietfrei im Alter (nach Tilgung)
Nachteile
  • Hohe Erwerbsnebenkosten (10–15 %)
  • Klumpenrisiko
  • Wartungs- & Reparaturkosten (~1,5 %/Jahr)
  • Reduzierte Mobilität
  • Zinsbelastung in den ersten 15–20 Jahren hoch

Mieten – Pro & Contra

Vorteile
  • Hohe Flexibilität (Job-Wechsel, Lebensänderungen)
  • Keine Reparaturkosten
  • Eigenkapital frei für ETF-Anlage
  • Kein Klumpenrisiko
  • Niedrigere monatliche Belastung in vielen Märkten
Nachteile
  • Kein Vermögensaufbau
  • Mietsteigerungen über die Zeit
  • Im Alter Mietkosten ohne Eigenkapitaldeckung
  • Eingeschränkte Gestaltung
  • Risiko Eigenbedarfskündigung

Typische Szenarien

Familie 35 Jahre, sicherer Arbeitsplatz, Kinder geplant

Empfehlung: Kaufen

Stabile Lebensphase, Wunsch nach Garten, Region mit moderaten Preisen.

Lange Wohnperspektive (15+ Jahre), erträgliche Preisniveaus, Familienleben passt zu Eigentum. Tilgung baut Vermögen auf, im Alter mietfrei.

Junges Paar 28 in München, Job-Mobilität wahrscheinlich

Empfehlung: Mieten

Wechsel zwischen Großstädten möglich, Preisniveau extrem hoch.

Bei Münchner Preisen (Kaufpreisfaktor > 35) ist Mieten klar günstiger pro Monat. Differenz in ETF investiert ergibt langfristig oft mehr Vermögen als Eigentum in der Top-Lage.

Methodologie & Quellen

Kernformel

Annuität = Darlehen × (Zins + Tilgung) ÷ 12; Restschuld nach n Jahren = Annuitätenformel

Annahmen

  • Grunderwerbsteuer-Sätze nach Bundesland: 3,5 % (BY/SN) bis 6,5 % (NRW/SH/BB/HE/SL).
  • Notar + Grundbuch: 1,5–2 % vom Kaufpreis (GNotKG).
  • Maklerprovision: 7,14 % geteilt (Käufer trägt 3,57 %), Hälftelung seit 2020 Pflicht.
  • Bauzins 2026: 3,3–4,0 % bei 10 J. Sollzinsbindung, 80 % Beleihung.
  • Mietrendite Brutto = Jahres-Kaltmiete ÷ Kaufpreis × 100; Netto zieht Bewirtschaftung 25–30 % ab.

Datenquellen

Methodologie zuletzt redaktionell geprüft: 08. Mai 2026

Häufige Fragen & Antworten

Alles, was du zu diesem Thema wissen musst.

Faktor = Kaufpreis / Jahresmiete. Unter 20: günstig kaufen, über 30: günstig mieten. In Großstädten oft Faktor 30–40, ländlich 18–25. Faustregel: bei Faktor > 30 ist Mieten plus ETF-Investment der freigesetzten Mittel oft renditestärker.
Mindestens die Erwerbsnebenkosten (10–15 % vom Kaufpreis). Für gute Konditionen 20–30 % Eigenkapital. 100 %-Finanzierung ist möglich, aber teuer (Zinsaufschlag) und riskant. Für 400.000 € Kauf: 40.000 € Mindesteigenkapital, 80.000 € optimal.
Faustregel: 1,5 % vom Hauswert pro Jahr für Instandhaltung und Modernisierung. Bei 400.000 € Wert sind das 6.000 €/Jahr Rücklage. Plus Grundsteuer (300–800 €), Versicherungen (300–500 €), Heizung/Strom (1.500–3.000 €). Eigentümer-Vollkosten oft 12–15.000 €/Jahr ohne Tilgung.
Hohe Zinsen senken Kaufnachfrage und damit Preise – langfristig kann das gute Einstiegsgelegenheiten schaffen. Wichtig: Lange Zinsbindung (15–20 Jahre), hohe Anfangstilgung (3 %+) und konservative Haushaltsrechnung mit 30–35 % Bruttoeinkommen für Wohnkosten.
Wer 80.000 € Eigenkapital ins Haus steckt, verzichtet auf ~7 % p.a. potenzielle ETF-Rendite. Über 25 Jahre fehlen rund 350.000 € im Portfolio. Diese Opportunitätskosten werden in einfachen Vergleichen oft ignoriert. Echter Vergleich: Kauf-Vermögen vs. Miete + ETF-Sparplan über gleichen Zeitraum.

Fazit & Empfehlung

Die Frage Kaufen oder Mieten lässt sich 2026 nicht mit einem einzigen Faktor beantworten – es kommt auf eine ehrliche Multivariablenrechnung an, in der drei Punkte häufig unterschätzt werden: erstens die Erwerbsnebenkosten von 10–15 %, die beim Kauf sofort verloren sind und 8–12 Jahre Wertentwicklung vorab "vorausbezahlen" müssen, bevor der Kauf finanziell wirklich Sinn macht. Zweitens die Instandhaltungskosten von rund 1,5 % des Hauswerts pro Jahr, die viele Käufer gedanklich ausblenden – über 30 Jahre Eigentum bedeutet das bei einem 400.000-€-Haus 180.000 € reine Reparatur- und Modernisierungs-Investitionen. Drittens die Opportunitätskosten des Eigenkapitals: 80.000 € Eigenkapital im Haus statt im ETF kostet langfristig rund 350.000 € entgangene Rendite über 25 Jahre. Trotz dieser Punkte ist Kaufen in vielen Fällen wirtschaftlich und psychologisch die richtige Entscheidung – aber nicht überall. In Mittelstädten und ländlichen Regionen mit Kaufpreisfaktoren unter 25 und stabilen Lebensumständen ist Eigentum der eindeutige Vermögensaufbau-Hebel. Die Tilgung ist erzwungenes Sparen, ein Haus im Alter mietfrei und stellt wertvolle Inflationssicherung dar. Familien mit Kindern, die 15+ Jahre Wohnperspektive haben, profitieren auch nichtfinanziell (Garten, Stabilität, Anpassung der Wohnung an Bedürfnisse). In Top-Großstädten wie München, Hamburg oder Berlin mit Kaufpreisfaktoren über 35 kippt die Bilanz häufig zugunsten des Mietens – wer dort Mieten und die Differenz konsequent in ETFs investiert, baut über 25 Jahre oft mehr Vermögen auf als der Eigentümer derselben Wohnung. Eingeschränkte Mobilität, hohe Verkaufskosten (8–12 %) und das Klumpenrisiko in einer einzigen Immobilie sprechen gegen Eigentum als reines Vermögensaufbau-Vehikel. Die ehrlichste Empfehlung: Kaufen, wenn man 15+ Jahre bleiben will, regional bezahlbar wohnt, eine stabile Lebenssituation hat und zusätzlich noch ETF-Sparplan parallel betreibt. Mieten, wenn Mobilität wertvoll ist, die Region zu teuer ist oder die Lebenssituation noch im Fluss.
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Quellen

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