Vergleich · Heizung & Klima

Wärmepumpe vs. Gasheizung

Lohnt sich die Wärmepumpe gegenüber Gas? Wir vergleichen Anschaffung, Betriebskosten, Amortisation und CO2-Bilanz für Alt- und Neubau.

Von Lukas Brenner · Energie- und Heiztechnik
Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert:
Option A

Wärmepumpe

Kosten: 25.00040.000 € inkl. Einbau · Amortisation: 12 J. · CO2: 1.500 kg/J.
Ideal für
  • · Hausbesitzer im Neubau oder gut gedämmten Bestand
  • · Kombi-Nutzer mit PV-Anlage
  • · Eigentümer, die langfristig (15+ Jahre) planen
Option B

Gasheizung

Kosten: 8.00015.000 € inkl. Einbau · CO2: 3.500 kg/J.
Ideal für
  • · Eigentümer mit kurzfristigem Defekt und engem Budget
  • · Anschluss in Häusern mit Gasanschluss bei kurzer Restnutzungsdauer
  • · Mieter-Bestand mit unsicherer Sanierungsperspektive

Quick-Verdict

Wenn familie im neubau (kfw 55, 140 m²): Wärmepumpe (Option A) oder Gasheizung (Option B)?  Lies die Empfehlung pro Szenario weiter unten oder die ausführliche Conclusion am Seitenende.

Vergleichs-Tabelle

KriteriumWärmepumpeGasheizungSieger
Anschaffungskosten25.000–40.000 €8.000–15.000 € Option B

Die Gasheizung schlägt rein bei der Investition deutlich günstiger zu Buche – ohne Förderung und Solarstrom verschiebt sich das Bild aber.

Betriebskosten pro Jahr (EFH, 20.000 kWh)900–1.400 €1.800–2.400 € Option A

Bei einer Jahresarbeitszahl von 3,5–4 und einem Arbeitspreis von 28 ct/kWh bleibt die Wärmepumpe klar günstiger als Gas mit ~12 ct/kWh plus CO2-Abgabe.

CO2-Ausstoß pro Jahr~1.500 kg (Strommix 2025)~3.500 kg Option A

Mit dem grüner werdenden Strommix sinkt der CO2-Wert der Wärmepumpe stetig, während Gas an die Verbrennung gekoppelt bleibt.

Förderung (BEG)bis 70 % (max. 21.000 €)0 % Option A

Über die KfW 458 erhalten Selbstnutzer Grundförderung, Klima-Geschwindigkeits-Bonus und Einkommens-Bonus – Gasheizungen werden seit 2024 nicht mehr gefördert.

Lebensdauer18–22 Jahre15–20 Jahre Option A

Moderne Wärmepumpen halten bei guter Wartung etwas länger als Gasthermen – Verdichter sind aber teurer in der Wartung.

Eignung Altbau (unsaniert)eingeschränktsehr gut Option B

In Häusern mit Vorlauftemperaturen über 60 °C und kleinen Heizkörpern arbeitet die Wärmepumpe ineffizient. Gasthermen sind hier weiterhin praktikabel.

Wärmepumpe – Pro & Contra

Vorteile
  • Sehr niedrige Betriebskosten bei guter Dämmung (JAZ 3,5–4,5)
  • Bis zu 70 % BEG-Förderung über die KfW
  • Keine fossile Verbrennung, keine CO2-Abgabe
  • Kombiniert mit PV-Anlage besonders günstig
  • Auch zum Kühlen im Sommer einsetzbar
Nachteile
  • Hohe Anschaffungskosten (25.000–40.000 €)
  • Effizienz hängt stark von Dämmung und Heizflächen ab
  • Schallemission im Außenbereich (Luft-Wasser)
  • Sanierung im Altbau oft erforderlich (Heizkörpergröße)

Gasheizung – Pro & Contra

Vorteile
  • Geringe Anschaffungskosten (8.000–15.000 €)
  • Bewährte, einfache Technik
  • Funktioniert auch in unsanierten Altbauten zuverlässig
  • Kurze Einbauzeit
Nachteile
  • Steigende CO2-Bepreisung (2026: 55–65 €/t Korridor über Zertifikatehandel, ab 2028 EU-ETS 2)
  • Abhängigkeit vom Gaspreis und geopolitischen Risiken
  • Ab 2024 in vielen Fällen GEG-Pflicht zur Erneuerbaren-Quote
  • Keine Förderung mehr für reine Gasheizungen
  • Hoher CO2-Ausstoß (~3.500 kg/Jahr im EFH)

Typische Szenarien

Familie im Neubau (KfW 55, 140 m²)

Empfehlung: Wärmepumpe

Eigentümer eines neuen, gut gedämmten Einfamilienhauses mit Fußbodenheizung und 8-kWp-PV-Anlage.

Niedrige Vorlauftemperaturen, Eigenverbrauch von Solarstrom und volle Förderung führen zu einer Amortisation in unter 10 Jahren. Gas würde hier durch CO2-Preis langfristig deutlich teurer.

Rentnerpaar im Altbau (Bj. 1965, ungedämmt)

Empfehlung: Gasheizung

Defekte 25 Jahre alte Gasheizung, kein Sanierungsbudget, Restnutzungsdauer geplant 8–10 Jahre.

Bei kurzer Nutzungsdauer und ohne Dämmung amortisiert sich die Wärmepumpe nicht. Gas-Brennwert + Hybridoption (Solarthermie) ist pragmatisch – Pflichtberatung gemäß GEG sollte eingeholt werden.

Mehrfamilienhaus mit Fernwärme-Option

Empfehlung: Wärmepumpe

Vermieter mit acht Einheiten in städtischem Umfeld, Anschlussmöglichkeit an Fernwärme.

In MFH lohnt sich oft eine Sole-Wärmepumpe oder ein Anschluss ans Fernwärmenetz. Eine reine Gasheizung verlagert das Risiko auf die Mieter über künftig steigende Heizkosten.

Methodologie & Quellen

Kernformel

Heizkosten/Jahr = Heizlast × Volllaststunden × Energiepreis ÷ Effizienz (η bzw. JAZ)

Annahmen

  • Heizlast vereinfacht aus Wohnfläche × spezifischer Heizlast (W/m²) je Effizienzklasse.
  • Volllaststunden: 1.800 h (Bestand), 1.500 h (saniert), je nach Klimazone.
  • JAZ-Annahmen Wärmepumpe: 3,5 (Luft, Bestand), 4,0 (Luft, sanierter Neubau), 4,5 (Sole/Erde).
  • Brennwert-Wirkungsgrade: Gas 95 %, Öl 92 %, Pellet 88 %.
  • CO2-Preis 2026: 55–65 €/t (Korridor), Berechnung mit 60 €/t.

Datenquellen

Methodologie zuletzt redaktionell geprüft: 08. Mai 2026

Häufige Fragen & Antworten

Alles, was du zu diesem Thema wissen musst.

Pauschal nein. Entscheidend ist die Vorlauftemperatur: Liegt sie unter 55 °C, läuft eine Wärmepumpe wirtschaftlich. Im unsanierten Altbau mit Heizkörpern und Vorlauf über 65 °C sinkt die Jahresarbeitszahl auf 2,5 oder darunter – damit wird der Stromverbrauch hoch und der Vorteil gegenüber Gas schmilzt.
Über die BEG-Heizungsförderung (KfW 458) gibt es 30 % Grundförderung, 20 % Klima-Geschwindigkeits-Bonus (bis 2028 für Tausch alter Öl-/Gasheizungen), 5 % Effizienz-Bonus und 30 % Einkommens-Bonus für Haushalte unter 40.000 € zu versteuerndem Einkommen. Maximal 70 %, gedeckelt auf 21.000 € förderfähige Kosten.
Ja, aber unter Auflagen. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) verlangt seit 2024 in Neubauten in Neubaugebieten zu 65 % erneuerbare Energien. Im Bestand gelten Übergangsfristen, die an die kommunale Wärmeplanung gekoppelt sind (in Großstädten bis Mitte 2026, in kleineren Gemeinden bis Mitte 2028). Eine reine Gasheizung ist danach nur noch zulässig, wenn sie ab 2029 schrittweise mit Bio-Methan oder Wasserstoff betrieben wird.
Aktuelle Modelle liegen bei 35–50 dB(A) im Normalbetrieb in 1 m Abstand. Die TA Lärm verlangt nachts 35 dB(A) am Nachbargrundstück – meist reichen 3–5 m Abstand und ein vibrationsentkoppelter Sockel. Inverter-geregelte Modelle sind im Teillastbetrieb deutlich leiser.
Eine Hybridheizung kombiniert Wärmepumpe mit einer Gas- oder Pelletheizung. Die Wärmepumpe deckt 70–90 % der Wärme im milden Bereich, der Gaskessel springt an besonders kalten Tagen ein. Sinnvoll im teilsanierten Altbau, wo eine Mono-Wärmepumpe an Grenzen stößt – aber auch teurer in der Anschaffung und nicht mehr separat förderfähig wie reine Wärmepumpen.
Mit voller Förderung (50–70 %) und PV-Eigenstrom liegt die Amortisationszeit gegenüber einer neuen Gasheizung typischerweise bei 8–14 Jahren. Ohne Förderung oder bei schlechter JAZ kann sie 18+ Jahre erreichen. Bei einer Lebensdauer von 20 Jahren bleibt fast immer ein finanzieller Vorteil – plus ungewisser CO2-Preis-Entwicklung.

Fazit & Empfehlung

Die Entscheidung Wärmepumpe oder Gasheizung ist 2026 keine reine Bauchsache mehr, sondern hängt an drei harten Faktoren: Energieeffizienz des Hauses, Investitionshorizont und Förderzugang. In einem gut gedämmten Neubau oder einem teilsanierten Bestand mit Fußbodenheizung oder ausreichend großen Heizkörpern ist die Wärmepumpe nahezu konkurrenzlos: Sie nutzt 70 % Umweltenergie, liefert mit einer Jahresarbeitszahl von 3,5–4,5 sehr niedrige Betriebskosten und wird über die BEG mit bis zu 70 % bezuschusst. Wer eine PV-Anlage hat, fährt zusätzlich Eigenverbrauchsstrom für 8–12 ct/kWh in den Verdichter und drückt die Heizkosten unter alles, was Gas je leisten könnte. Im unsanierten Altbau mit Vorlauftemperaturen über 65 °C, kleinen Heizkörpern und ungedämmten Außenwänden sieht das anders aus. Hier sinkt die Jahresarbeitszahl schnell auf 2,5 oder darunter, und der Stromverbrauch frisst die niedrigen Brennstoffkosten auf. In dieser Konstellation kann eine moderne Brennwert-Gastherme – idealerweise als Hybrid mit Solarthermie oder kleiner Wärmepumpe – die ehrlichere Wahl sein, sofern der Eigentümer weiß, dass er innerhalb der nächsten 8–12 Jahre sanieren oder das Haus übergeben wird. Wer hingegen langfristig im Haus bleibt, sollte die Gasheizung als Brückentechnologie betrachten und die Sanierung mitplanen, weil der CO2-Preis ab 2027 marktbasiert wird und die Wärmewende-Pflichten verschärft werden. Ehrlich gesagt: Egal ist die Entscheidung selten – sie verschiebt sich nur über die Zeitachse.
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Quellen

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