Vergleich · Heizung & Klima

Wärmepumpe vs. Ölheizung

Alte Ölheizung: tauschen oder weiterlaufen lassen? Vergleich der Total Cost of Ownership inkl. CO2-Preis und BEG-Förderung.

Von Lukas Brenner · Energie- und Heiztechnik
Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert:
Option A

Wärmepumpe

Kosten: 25.00040.000 € inkl. Einbau · Amortisation: 10 J. · CO2: 1.500 kg/J.
Ideal für
  • · Eigentümer mit alter Ölheizung im teilsanierten Bestand
  • · PV-Besitzer
Option B

Ölheizung

Kosten: 9.00016.000 € inkl. Einbau · CO2: 4.500 kg/J.
Ideal für
  • · Sehr kurze Restnutzungsdauer (< 5 Jahre) im Altbau ohne Alternativen

Quick-Verdict

Wenn efh bj. 1985, teilsaniert (dach + fenster): Wärmepumpe (Option A) oder Ölheizung (Option B)?  Lies die Empfehlung pro Szenario weiter unten oder die ausführliche Conclusion am Seitenende.

Vergleichs-Tabelle

KriteriumWärmepumpeÖlheizungSieger
Anschaffung (mit Förderung)7.500–18.000 € (nach 50–70 % BEG)9.000–16.000 € Option A

Mit Klima-Geschwindigkeits-Bonus für den Tausch alter Ölheizungen wird die Wärmepumpe netto sogar günstiger als ein neuer Ölkessel.

Brennstoffkosten / Jahr (2.000 l Öl)900–1.400 €2.000–2.700 € Option A

Öl liegt 2026 bei ~1,10 €/l plus CO2-Aufschlag, Wärmepumpe nutzt Strom mit JAZ 3,5–4 und schlägt Öl deutlich.

CO2-Ausstoß~1.500 kg~4.500 kg Option A

Heizöl emittiert pro Liter rund 2,7 kg CO2 – die fossilste Heizform unter den verbreiteten Optionen.

Wartung~150 €/Jahr~250 €/Jahr + Tankreinigung alle 5–10 Jahre Option A

Ölheizungen brauchen jährliche Brennerwartung und alle paar Jahre eine Tankreinigung – Wärmepumpen sind wartungsärmer.

Zukunftssicherheitsehr gutkritisch Option A

Ölheizungen dürfen nach GEG ab 2024/2026 grundsätzlich nicht mehr eingebaut werden, außer als Hybrid – Bestandsanlagen genießen Bestandsschutz, aber CO2-Kosten steigen jährlich.

Wärmepumpe – Pro & Contra

Vorteile
  • Bis zu 70 % BEG-Förderung beim Öl-Tausch
  • 20 % Geschwindigkeits-Bonus für Öl-Heizungstausch
  • Sehr niedrige Betriebskosten in saniertem Bau
  • Keine Tankreinigung mehr nötig
  • CO2-Preis-immun
Nachteile
  • Hohe Investition
  • Im Altbau Sanierung oft nötig
  • Schallemission Außengerät

Ölheizung – Pro & Contra

Vorteile
  • Existierende Tank-Infrastruktur nutzbar
  • Hohe Vorlauftemperaturen
  • Bewährt im Altbau
Nachteile
  • Einbau-Verbot ab 2026 (außer Hybrid mit 65 % EE)
  • CO2-Preis trifft Öl besonders stark
  • Tank-Wartung & Reinigung
  • Hohe CO2-Emissionen (~4.500 kg/Jahr EFH)
  • Keine Förderung mehr

Typische Szenarien

EFH Bj. 1985, teilsaniert (Dach + Fenster)

Empfehlung: Wärmepumpe

Ölheizung 22 Jahre alt, 2.500 l/Jahr Verbrauch, Eigentümer plant 15+ Jahre Nutzung.

Mit 70 % Förderung amortisiert sich die Wärmepumpe in 8–10 Jahren. Über 20 Jahre spart der Tausch grob 25.000–35.000 € gegenüber Öl + CO2-Preis.

Reihenmittelhaus, Erbschaft, geplanter Verkauf in 3 Jahren

Empfehlung: Ölheizung

Ölheizung läuft, Verkauf in absehbarer Zeit.

Bei kurzem Horizont reicht die Wartung der Bestandsheizung. Käufer planen Sanierung selbst – Investition jetzt zahlt sich nicht im Verkaufspreis aus.

Methodologie & Quellen

Kernformel

Heizkosten/Jahr = Heizlast × Volllaststunden × Energiepreis ÷ Effizienz (η bzw. JAZ)

Annahmen

  • Heizlast vereinfacht aus Wohnfläche × spezifischer Heizlast (W/m²) je Effizienzklasse.
  • Volllaststunden: 1.800 h (Bestand), 1.500 h (saniert), je nach Klimazone.
  • JAZ-Annahmen Wärmepumpe: 3,5 (Luft, Bestand), 4,0 (Luft, sanierter Neubau), 4,5 (Sole/Erde).
  • Brennwert-Wirkungsgrade: Gas 95 %, Öl 92 %, Pellet 88 %.
  • CO2-Preis 2026: 55–65 €/t (Korridor), Berechnung mit 60 €/t.

Datenquellen

Methodologie zuletzt redaktionell geprüft: 08. Mai 2026

Häufige Fragen & Antworten

Alles, was du zu diesem Thema wissen musst.

Ja, Bestandsschutz gilt. Eine bestehende Ölheizung darf weiterlaufen und wird gewartet. Pflicht zum Austausch greift erst nach 30 Jahren Betriebszeit (gilt nicht für Niedertemperatur- und Brennwertkessel) – und nur, wenn es keine Härtefall-Befreiung gibt.
Bei 2.500 l Öl entstehen ~6,7 t CO2/Jahr. 2026 liegt der CO2-Preis im Korridor 55–65 €/t (über Zertifikatehandel, nicht mehr fix wie 2025) – also 370–435 € pro Jahr. Ab 2028 wird der Preis marktbasiert über EU-ETS 2, Schätzungen 80–150 €/t – also 540–1.000 € jährlich, Tendenz steigend.
Selten. Die Anschaffung beider Systeme summiert sich auf 35.000–50.000 €, GEG-Konformität wird kompliziert (65 % EE-Quote muss erfüllt sein), und neue Ölkessel werden nicht gefördert. Sinnvoller ist Wärmepumpe + bestehende Ölheizung als Spitzenlast für 3–5 Jahre als Übergang.
Restöl wird abgepumpt (1–2 €/l Vergütung oder Entsorgung), der Tank gereinigt und entweder ausgebaut (1.500–3.000 €) oder verbleibt im Keller. Für die Tankentsorgung gibt es teilweise Zuschüsse aus der BEG-Förderung.
30 % BEG-Grundförderung plus 20 % Klima-Geschwindigkeits-Bonus speziell für den Austausch funktionierender Öl-/Gasheizungen, plus ggf. 30 % Einkommens-Bonus, plus 5 % Effizienz-Bonus – maximal 70 %. Förderfähige Kosten 30.000 € (EFH).

Fazit & Empfehlung

Der Tausch einer Ölheizung ist 2026 in den allermeisten Fällen wirtschaftlich attraktiv – auch dann, wenn die alte Anlage technisch noch funktioniert. Drei Faktoren überlagern sich: Erstens die ungewöhnlich hohe Förderung von bis zu 70 % über die BEG, weil der Klima-Geschwindigkeits-Bonus speziell für den Öl-Tausch gewährt wird. Zweitens der CO2-Preis, der ab 2027 in den EU-ETS 2 wandert und marktbasiert tendenziell deutlich steigen wird – Heizöl wird damit jedes Jahr teurer. Drittens die Tatsache, dass neue Ölheizungen nach dem Gebäudeenergiegesetz nur noch in Hybrid-Konstellationen mit 65 % erneuerbaren Energien zulässig sind, was die "Einfach-die-Alte-ersetzen"-Strategie de facto ausschließt. Eine sinnvolle Ausnahme bildet die Konstellation, in der die Restnutzungsdauer kurz ist – etwa weil ein Verkauf bevorsteht, das Haus verlassen wird oder sehr alte Bewohner ihre Lebenserwartung realistisch einschätzen. Hier kann es rational sein, die bestehende Ölheizung zu warten und weiterlaufen zu lassen, weil die Investition in eine neue Wärmepumpe in dieser Frist nicht zurückverdient wird. Käufer rechnen die nötige Sanierung ohnehin in den Kaufpreis ein. Für alle anderen Eigentümer mit 10+ Jahren Perspektive gilt: Je länger gewartet wird, desto teurer wird der Heizungstausch – die Förderquoten werden eher sinken, der CO2-Preis eher steigen, und der Markt für Wärmepumpen-Installateure ist heute schon angespannt. Wer sanieren will, sollte den Heizungstausch in eine Sanierungsroadmap einbetten und nicht isoliert betrachten.
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Quellen

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