Vergleich · Heizung & Klima

Infrarotheizung vs. Wärmepumpe

Strom-Direktheizung vs. Wärmepumpe: Wann lohnt sich Infrarot, wann nicht? Realistischer Kostenvergleich für EFH und Single-Wohnung.

Von Lukas Brenner · Energie- und Heiztechnik
Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert:
Option A

Infrarotheizung

Kosten: 1.5005.000 € Komplett-EFH · CO2: 4.500 kg/J.
Ideal für
  • · Passivhäuser
  • · Selten genutzte Hobbyräume
  • · Übergangsheizung
  • · Single-Wohnungen mit < 50 m²
Option B

Wärmepumpe

Kosten: 25.00040.000 € inkl. Einbau · CO2: 1.500 kg/J.
Ideal für
  • · Alle EFH und MFH ab 80 m² mit Sanierungsperspektive

Quick-Verdict

Wenn tiny house 35 m² passivhaus-standard: Infrarotheizung (Option A) oder Wärmepumpe (Option B)?  Lies die Empfehlung pro Szenario weiter unten oder die ausführliche Conclusion am Seitenende.

Vergleichs-Tabelle

KriteriumInfrarotheizungWärmepumpeSieger
Anschaffung EFH1.500–5.000 €25.000–40.000 € Option A

Infrarot benötigt nur Panels und Steckdose, Wärmepumpe braucht Außengerät, Speicher, Hydraulik.

Stromverbrauch (20.000 kWh Wärme)20.000 kWh~5.000 kWh Option B

Infrarot wandelt 1 kWh Strom in 1 kWh Wärme, Wärmepumpe holt mit JAZ 4 das Vierfache aus dem Strom.

Stromkosten / Jahr5.600 €1.400 € Option B

Bei 28 ct/kWh ist die Wärmepumpe in normalen Häusern dramatisch günstiger – der niedrige Anschaffungspreis der Infrarot wird in 1–2 Jahren aufgefressen.

Förderung0 %bis 70 % Option B

Infrarot wird als Strom-Direktheizung nicht gefördert, Wärmepumpe über BEG.

Eignung Passivhaus / Tiny Housesehr gutüberdimensioniert Option A

Bei sehr niedrigem Wärmebedarf (< 30 kWh/m²a) ist die WP-Investition schwer einzuholen – Infrarot mit PV-Eigenverbrauch wird konkurrenzfähig.

Infrarotheizung – Pro & Contra

Vorteile
  • Sehr niedrige Anschaffung (200–500 €/Panel)
  • Keine Wartung, keine Schornsteinfeger-Pflicht
  • Schnelle Wärme (Strahlungswärme)
  • Ideal für selten genutzte Räume / Tiny Houses
Nachteile
  • Hoher Stromverbrauch (1 kWh Strom = 1 kWh Wärme)
  • Sehr hohe Betriebskosten in normaler Wohnung
  • Keine Förderung
  • Nur für sehr gut gedämmte Räume sinnvoll

Wärmepumpe – Pro & Contra

Vorteile
  • Faktor 3–4 effizienter (JAZ 3,5–4,5)
  • BEG-Förderung bis 70 %
  • CO2-arm mit grünem Strom
  • Kühlfunktion möglich
Nachteile
  • Hohe Anschaffung
  • Komplexer Einbau
  • Schallemission

Typische Szenarien

Tiny House 35 m² Passivhaus-Standard

Empfehlung: Infrarotheizung

Sehr niedriger Wärmebedarf (~1.500 kWh/Jahr), kein Platz für komplexe Hydraulik.

Eine WP für 25.000 € ist absurd überdimensioniert. Drei Infrarot-Panels für 800 € + PV-Eigenverbrauch sind die ehrliche Lösung.

EFH 140 m² teilsaniert

Empfehlung: Wärmepumpe

Normaler Wärmebedarf 18.000 kWh/Jahr.

Mit Infrarot würden Stromkosten von 5.000 €+ pro Jahr anfallen. Wärmepumpe amortisiert sich gegen Infrarot in unter 6 Jahren – kein realer Vergleich.

Methodologie & Quellen

Kernformel

Heizkosten/Jahr = Heizlast × Volllaststunden × Energiepreis ÷ Effizienz (η bzw. JAZ)

Annahmen

  • Heizlast vereinfacht aus Wohnfläche × spezifischer Heizlast (W/m²) je Effizienzklasse.
  • Volllaststunden: 1.800 h (Bestand), 1.500 h (saniert), je nach Klimazone.
  • JAZ-Annahmen Wärmepumpe: 3,5 (Luft, Bestand), 4,0 (Luft, sanierter Neubau), 4,5 (Sole/Erde).
  • Brennwert-Wirkungsgrade: Gas 95 %, Öl 92 %, Pellet 88 %.
  • CO2-Preis 2026: 55–65 €/t (Korridor), Berechnung mit 60 €/t.

Datenquellen

Methodologie zuletzt redaktionell geprüft: 08. Mai 2026

Häufige Fragen & Antworten

Alles, was du zu diesem Thema wissen musst.

Nein, das ist Marketing. Physikalisch wird aus 1 kWh Strom maximal 1 kWh Wärme – egal ob Infrarot, Konvektor oder Heizlüfter. Strahlungswärme fühlt sich gefühlt schneller warm an, der Energieverbrauch über die gesamte Heizsaison unterscheidet sich kaum.
In drei Konstellationen: (1) Passivhaus mit minimalem Wärmebedarf, (2) selten genutzte Räume wie Bad, Hobbyraum, Gästezimmer, (3) als Zusatzheizung in Übergangszeit, wo eine ganze Heizung angefahren werden müsste.
Bei 20.000 kWh Heizbedarf: Infrarot ~5.600 € (28 ct/kWh × 20.000), Wärmepumpe ~1.400 € (Strompreis × 20.000 / JAZ 4). Differenz: rund 4.200 € pro Jahr – nach 2 Jahren ist die WP-Mehrinvestition aufgeholt.
Im Sommer ja, in der Heizsaison kaum. Heizen findet im Oktober–März statt, PV liefert hier nur 15–25 % des Jahresertrags. Eigenverbrauch in der Heizsaison ist marginal – der Großteil des Stroms muss netzgebunden gekauft werden.
Im Neubau: nein, Strom-Direktheizung erfüllt die 65 %-EE-Anforderung nicht. Im Bestand erlaubt, unterliegt aber denselben Regeln wie andere Heizungen ab kommunaler Wärmeplanung – langfristig riskant als Hauptheizung.

Fazit & Empfehlung

Infrarotheizungen werden im Marketing oft als günstige, einfache Wärmepumpen-Alternative verkauft – das ist physikalisch und ökonomisch in 95 % der Fälle falsch. Eine Wärmepumpe holt aus 1 kWh Strom mit einer Jahresarbeitszahl von 4 etwa 4 kWh Wärme, eine Infrarotheizung 1 kWh. Bei einem typischen Einfamilienhaus mit 18.000–22.000 kWh Wärmebedarf bedeutet das einen Faktor 4 mehr Stromverbrauch und einen jährlichen Mehrkostenblock von 3.500–4.500 €. Selbst die niedrige Anschaffung der Infrarotheizung ist nach spätestens zwei Heizsaisons aufgefressen. Wirklich Sinn ergibt Infrarot nur in einem schmalen Anwendungsfall: Räume mit sehr niedrigem Wärmebedarf, wo eine Wärmepumpe technisch überdimensioniert wäre. Tiny Houses, Passivhäuser unter 50 m², Hobbyräume oder Wohnmobile – hier kann eine Infrarotheizung mit drei Panels für 1.500 € und PV-Strom im Sommer durchaus die rationale Lösung sein. Das Argument "Strahlungswärme fühlt sich besser an" stimmt subjektiv, ändert aber nichts an der Physik. Wer ein normales Haus mit Infrarot heizen will, fährt langfristig dramatisch teurer und CO2-intensiver – auch mit grünem Stromtarif. Die nüchterne Empfehlung: In Tiny Houses, Passivhäusern und als Zusatzheizung okay, als Hauptheizung im EFH eine Sackgasse.
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Quellen

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