Ausführliche Erklärung
Heizwert und Brennwert sind zwei Maßzahlen für die Energie, die ein Brennstoff freisetzt – mit einem entscheidenden Unterschied: Der Heizwert (Hu, früher unterer Heizwert) ist die Wärme, die bei Verbrennung freigesetzt wird, ohne den Anteil der im Abgas enthaltenen Wasserdampf-Kondensationswärme. Der Brennwert (Ho, früher oberer Heizwert) inkludiert diese Kondensationswärme.
Für Erdgas gilt:
- Heizwert (Hu): ~10 kWh/m³
- Brennwert (Ho): ~11,1 kWh/m³ (ca. 11 % höher)
Für Heizöl:
- Heizwert: ~10 kWh/Liter
- Brennwert: ~10,7 kWh/Liter (ca. 7 % höher)
Die Differenz zwischen beiden Werten ist die Wasserdampf-Kondensationswärme. Klassische Niedertemperatur-Heizungen können diese nicht nutzen, weil sie das Abgas mit über 100 °C ausstoßen – der Wasserdampf bleibt gasförmig, die Energie geht durch den Schornstein verloren. Brennwertkessel kühlen das Abgas auf unter 50 °C ab, kondensieren den Wasserdampf und nutzen die freigesetzte Wärme.
Wichtig für die Effizienz-Bewertung von Heizungen: Hersteller geben den Wirkungsgrad oft auf den Heizwert bezogen an, was Werte über 100 % ergibt (z. B. 109 % beim Brennwertkessel). Das ist physikalisch korrekt, weil der Heizwert als Bezugsgröße den Brennwert-Anteil ausschließt – das Gerät nutzt aber tatsächlich den Brennwert. Auf den Brennwert bezogen liegen reale Wirkungsgrade bei 95–98 %.
Für den Vergleich verschiedener Heizsysteme – etwa Brennwert-Gas vs. Niedertemperatur-Gas vs. Wärmepumpe – ist es wichtig, dieselbe Bezugsgröße zu nutzen. Bei der Wärmepumpe gibt es kein Heizwert/Brennwert-Problem, weil keine Verbrennung stattfindet. Hier ist die JAZ die relevante Effizienzkennzahl.
Die Einheit kWh/m³ (Gas) bzw. kWh/L (Öl) ist auch für Eigentümer relevant, weil Versorger oft in m³ und kWh abrechnen, wobei der Brennwert als Multiplikator fungiert. Eine 1.500-m³-Gas-Rechnung entspricht bei Brennwert 11,1 kWh/m³ einer Energiemenge von 16.650 kWh.