Ausführliche Erklärung
Der Primärenergiefaktor ist eine Effizienz-Kennzahl, die die "Vorkette" eines Energieträgers berücksichtigt. Während die Endenergie das ist, was am Verbrauchszähler ankommt (z. B. 1 kWh Strom oder 1 kWh Gas), umfasst die Primärenergie auch alle Energieaufwendungen für Förderung, Transport und Umwandlung.
Primärenergiefaktoren in Deutschland (gemäß GEG-Anlage 4):
- Strom-Mix: 1,8 (2026, sinkt schrittweise mit grünerem Strommix)
- Heizöl: 1,1
- Erdgas: 1,1
- Holzpellets: 0,2 (sehr niedrig wegen erneuerbarer Quelle)
- Solarthermie: 0,0
- Photovoltaik (Eigenverbrauch): 0,0
- Biogas: 0,5
- Fernwärme: 0,7 (im Mittel, stark netzabhängig)
Für Wärmepumpen-Anlagen gilt eine Sonderregel: Die genutzte Antriebsenergie (Strom) wird mit 1,8 multipliziert, dann durch die JAZ geteilt. Eine Wärmepumpe mit JAZ 4 hat einen effektiven Primärenergiefaktor von 1,8 / 4 = 0,45 – damit deutlich klimafreundlicher als jede fossile Heizung.
Der Primärenergiefaktor ist relevant für:
1. **GEG-Konformität**: Neubauten müssen einen Primärenergiebedarf unter dem Referenzwert erreichen. Die Heizung beeinflusst diesen Wert direkt – Wärmepumpe und Pellets schneiden besser ab als Gas oder Öl.
2. **KfW-Effizienzhaus-Stufen** (40, 55): Diese Standards werden über den Primärenergiebedarf in kWh/m²a definiert.
3. **Energieausweis**: Auf dem Bedarfsausweis ist der Primärenergiebedarf angegeben (Pflichtangabe).
Kritisch: Der Primärenergiefaktor ist eine politische Größe, die regelmäßig angepasst wird. 2014 lag er für Strom noch bei 2,4, 2019 bei 1,8 (heute), in Zukunft soll er weiter sinken. Diese Anpassungen verändern die GEG-Konformitäts-Bewertung von Heizsystemen rückwirkend für Neubauten – die Wärmepumpe wird auch ohne aktuelle technische Verbesserung effizienter dargestellt, weil der Strom-PEF sinkt.