Vergleich · Investieren

Riester vs. Rürup vs. ETF

Riester, Rürup oder freier ETF-Sparplan zur Altersvorsorge? Förderungen, Steuern, Flexibilität und Endrente im großen Vergleich.

Von Marie Halberg · Geld, Investieren und Steuern
Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert:
Option A

Riester-Rente

Kosten: 60175 €/Jahr Mindestbetrag (Sockel)
Ideal für
  • · Familien mit Kindern (mehrere Zulagen)
  • · Geringverdiener
  • · Beamte (zulagenberechtigt)
Option B

Rürup-Rente (Basis-Rente)

Kosten: 027.566 €/Jahr max. (2025)
Ideal für
  • · Selbstständige ohne andere Vorsorge
  • · Hohe Einkommen mit hohem Steuersatz
  • · Keine Kinder/Erbschaftsplan

Quick-Verdict

Wenn familie mit 3 kindern, geringverdiener: Riester-Rente (Option A) oder Rürup-Rente (Basis-Rente) (Option B)?  Lies die Empfehlung pro Szenario weiter unten oder die ausführliche Conclusion am Seitenende.

Vergleichs-Tabelle

KriteriumRiester-RenteRürup-Rente (Basis-Rente)Sieger
Renditeerwartung netto~1,5–2,5 % p.a.~2–4 % p.a. Option B

Rürup-Verträge mit Fonds-Komponente liefern bessere Renditen als Riester (durch komplexere Beitragsgarantie).

Förderung EinzahlphaseZulagen + ggf. Steuerersparnis96 % absetzbar (steigt auf 100 % bis 2025)Unentschieden

Riester punktet bei Familien mit Kindern, Rürup bei Hochverdienern – je nach Lebenssituation.

Flexibilitätsehr gering (Riester-Sondervermögen)sehr gering (lebenslang)Unentschieden

Beide sind in der Auszahlphase auf lebenslange Rente festgelegt – kein Kapitalwahlrecht.

Vererbbarkeiteingeschränkt (Ehepartner)sehr eingeschränktUnentschieden

Beide sind im Wesentlichen für die eigene Person ausgelegt, Vererbung an Kinder kaum möglich.

Kostenquote1,5–3 % p.a.1–2,5 % p.a. Option B

Riester hat wegen Beitragsgarantie höhere Kosten, Rürup-Fondsverträge etwas günstiger.

Riester-Rente – Pro & Contra

Vorteile
  • Staatliche Zulage (175 € Grundzulage + 300 € pro Kind)
  • Steuerersparnis möglich
  • Garantierte Beitragserhalt
  • Sicher in Insolvenz
Nachteile
  • Sehr hohe Kosten (TER + Vertriebskosten)
  • Niedrige Renditen (oft < 2 % p.a.)
  • Lebenslange Rentenzahlung Pflicht (langes Lebensrisiko)
  • Steuerlich nachgelagerte Volle Besteuerung
  • Komplexe Übertragbarkeit

Rürup-Rente (Basis-Rente) – Pro & Contra

Vorteile
  • Hohe Steuerersparnis in Einzahlphase (96 % absetzbar 2025)
  • Pfändungssicher
  • Keine Anrechnung auf Bürgergeld
  • Hohe Beitragsgrenzen
Nachteile
  • Lebenslange Rente, kein Kapitalwahlrecht
  • Vererbung schwierig
  • Hohe Vertragskosten
  • Steuerlich nachgelagerte Vollversteuerung
  • Renditeerwartung niedrig

Typische Szenarien

Familie mit 3 Kindern, Geringverdiener

Empfehlung: Riester-Rente

Verdiener 35.000 € brutto, drei kindergeldberechtigte Kinder.

Riester ist hier konkurrenzlos: 175 € Grundzulage + 3 × 300 € = 1.075 €/Jahr Zulagen bei 4 % Eigenbeitrag (~1.400 €). Förderquote über 75 %.

Selbstständiger 45 mit 90.000 € Gewinn

Empfehlung: Rürup-Rente (Basis-Rente)

Hoher Steuersatz (~42 %), keine Kinder, will Steuern sparen und Rentenanwartschaft aufbauen.

Rürup mit 25.000 € Einzahlung spart 10.500 € Steuern. Aufbau einer Basis-Rente neben ETF-Sparplan. ETF allein wäre weniger steuereffizient in der Einzahlphase.

Methodologie & Quellen

Kernformel

Endwert = Sparrate × ((1 + r)^n − 1) ÷ r − Steuern (TER + Vorabpauschale + Abgeltung)

Annahmen

  • Erwartete Aktien-ETF-Rendite langfristig: 7 %/Jahr nominal vor Kosten und Steuern.
  • Inflation 2 %/Jahr im langfristigen Durchschnitt.
  • TER MSCI World ETFs: 0,12–0,22 %.
  • Vorabpauschale: 70 % des Basiszinses (2024: 2,29 %), Aktien-ETF nach 30 % Teilfreistellung.
  • Abgeltungsteuer 25 % + Soli 5,5 % = effektiv 26,375 %, Sparerpauschbetrag 1.000 €/2.000 €.

Datenquellen

Methodologie zuletzt redaktionell geprüft: 08. Mai 2026

Häufige Fragen & Antworten

Alles, was du zu diesem Thema wissen musst.

Sehr selektiv. Für Familien mit Kindern und Geringverdiener bleibt die Förderquote attraktiv. Für Singles und Gutverdiener fressen Kosten und niedrige Rendite den Förderungsvorteil oft auf. Stiftung Warentest 2024: ein Drittel der Riester-Verträge schlechter als Sparbuch.
Riester: Förderung über Zulagen + Steuern, jeder mit sozialversicherungspflichtigem Einkommen, lebenslange Rente. Rürup: Förderung nur über Steuerersparnis, jeder einzahlbar (auch Selbstständige), lebenslange Rente. Riester hat Beitragsgarantie, Rürup nicht zwingend.
2026: 100 % der Einzahlung steuerlich absetzbar bis ca. 29.344 € Single / 58.688 € Verheiratet (Höchstbetrag an BBG RV 101.400 € gekoppelt). Bei Spitzensteuersatz 42 % spart 10.000 € Einzahlung 4.200 € Steuern. In der Auszahlphase wird die Rente als Einkommen versteuert (bei niedrigerem Steuersatz im Alter).
Bei Renditebetrachtung meist ja: 7 % p.a. langfristig statt 1,5–4 % bei Riester/Rürup. Aber: keine Steuerersparnis in der Einzahlphase, voll flexibel, voll vererbbar. Eine Kombination ist oft optimal: ETF als Basis + Rürup für Steuervorteil + Riester bei Familien.
Praktisch sehr schwer. Riester: Übertrag zu anderem Anbieter möglich, aber komplex. Rürup: praktisch keine Auszahlung vor 62, kein Kapitalwahlrecht. Beide Verträge sind echte Lebensentscheidungen – nicht leichtfertig abschließen.

Fazit & Empfehlung

Riester, Rürup und freier ETF-Sparplan sind keine direkten Konkurrenten, sondern Werkzeuge für unterschiedliche Lebenssituationen und Steuerprofile. Riester macht in genau einer Konstellation noch Sinn: Familien mit mehreren Kindern und mittleren Einkommen, bei denen die Kombination aus Grundzulage (175 €) und Kinderzulage (300 €/Kind) zu einer Förderquote führt, die Kosten und niedrige Rendite überkompensiert. Eine Familie mit drei Kindern bekommt 1.075 €/Jahr staatliche Zulagen für 1.400 €/Jahr Eigenbeitrag – das ist eine Förderquote, die ETF auch bei 7 % Rendite über lange Zeiträume schwer schlägt. Für Singles, kinderlose Paare oder Gutverdiener bleibt Riester 2026 dagegen meist eine schlechte Wahl: Stiftung Warentest hat in mehreren Studien gezeigt, dass viele Riester-Verträge real eine Rendite unter dem Sparbuch erreichen, weil Verwaltungs- und Vertriebskosten 1,5–3 % p.a. fressen. Rürup ist die spezielle Lösung für Selbstständige ohne andere Altersvorsorge und für Hochverdiener mit Spitzensteuersatz. 2025 sind 100 % der Einzahlung steuerlich absetzbar – wer im 42 %-Steuersatz steht und 25.000 € einzahlt, spart 10.500 € Steuern. Über 20 Jahre summiert sich diese Steuerersparnis zu einer impliziten Förderung, die Rürup gegenüber dem ETF-Sparplan attraktiv macht. Allerdings sind die Auszahlungsregeln streng (lebenslange Rente, kein Kapitalwahlrecht, keine Vererbung an Kinder), und in der Auszahlphase wird die Rente voll versteuert. Wer Flexibilität und Vererbbarkeit schätzt, ist mit dem ETF-Sparplan besser bedient – langfristig 7 % p.a. erwartete Rendite, volle Flexibilität, klare Vererbung. Die rationale Architektur sieht für die meisten Berufstätigen so aus: ETF als Basis-Vorsorge (60–80 % der Sparquote), für Familien zusätzlich kleiner Riester-Vertrag wegen Zulagen (10–20 %), für Selbstständige zusätzlich Rürup wegen Steuerersparnis (10–30 %). Wer nur eines wählen kann, sollte als Single ETF wählen, als Familie Riester ergänzen und als Selbstständiger ohne Kinder den Steuervorteil von Rürup mitnehmen. In allen Fällen gilt: nicht beraten lassen von Vermittlern auf Provisionsbasis – die haben Interessen, die nicht mit der eigenen Renditemaximierung übereinstimmen.

Quellen

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