Vergleich · Gehalt & Lifestyle

Selbstständig vs. angestellt

Selbstständig oder angestellt: Netto-Einkommen, Sozialversicherung, Risiko und Lebensqualität im strukturierten Vergleich.

Von Marie Halberg · Geld, Investieren und Steuern
Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert:
Option A

Selbstständig

Kosten: 00 € Eigeninvest
Ideal für
  • · Spezialisten in gefragten Bereichen
  • · Unternehmer-Typen
  • · Beratung, Kreativ, Handwerk
Option B

Angestellt

Kosten: 00 € Eigeninvest
Ideal für
  • · Sicherheits-orientierte
  • · Familien
  • · Karriere im Konzern
  • · Berufe mit komplexer Infrastruktur

Quick-Verdict

Wenn it-spezialist mit gefragten skills, 70.000 € angestellten-gehalt: Selbstständig (Option A) oder Angestellt (Option B)?  Lies die Empfehlung pro Szenario weiter unten oder die ausführliche Conclusion am Seitenende.

Vergleichs-Tabelle

KriteriumSelbstständigAngestelltSieger
Verdienstpotenzialunbegrenzt nach obenbegrenzt durch Tarif/Markt Option A

Selbstständige Spezialisten verdienen Top-Honorare, Angestellte sind durch Gehaltsbänder begrenzt.

Soziale Absicherungselbst zu organisierenumfassend (KV, RV, ALV, Lohnfortzahlung) Option B

Angestellte haben automatisch Krankengeld, Lohnfortzahlung 6 Wochen, ALG bei Arbeitslosigkeit – Selbstständige müssen alles selbst absichern.

Krankenversicherung Beitragvoll selbst (250–800 €/Monat)AN-Anteil (~7,3 % Lohn) Option B

AG übernimmt knapp die Hälfte des KV-Beitrags – Selbstständige zahlen alles selbst.

Steuerliche Gestaltunghoch (Betriebsausgaben, AfA)gering (Werbungskostenpauschale) Option A

Selbstständige können Geschäftsausgaben breit absetzen, Angestellte nur Werbungskosten begrenzt.

Urlaub & Krankheitkein bezahlter Urlaub20–30 Urlaubstage + Lohnfortzahlung Option B

Krasser Unterschied: Selbstständige verdienen nur, wenn sie arbeiten – Angestellte werden bezahlt, auch im Urlaub und bei Krankheit.

Bürokratieaufwandhoch (Buchhaltung, USt., Steuern)gering Option B

Selbstständige brauchen Steuerberater (1.000–3.000 €/Jahr) oder viel Zeit für Buchhaltung.

Selbstständig – Pro & Contra

Vorteile
  • Höhere Brutto-Einnahmen möglich
  • Freie Zeiteinteilung
  • Direkte Wertschöpfung
  • Steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten
  • Kein Vorgesetzter
Nachteile
  • Volle Krankenversicherung selbst
  • Keine bezahlten Urlaubstage
  • Auftragsschwankungen
  • Kein Kündigungsschutz
  • Eigene Altersvorsorge
  • Keine Lohnfortzahlung im Krankheitsfall

Angestellt – Pro & Contra

Vorteile
  • Festes Einkommen
  • Bezahlter Urlaub & Krankheitstage
  • Kündigungsschutz
  • GKV mit AG-Anteil
  • Rentenversicherung mit AG-Anteil
  • Klare Rolle und Aufgaben
Nachteile
  • Begrenzte Verdienst-Skalierung
  • Weniger Gestaltungsfreiheit
  • Abhängigkeit vom Arbeitgeber
  • Steuerlich weniger Spielraum
  • Pendelverpflichtung

Typische Szenarien

IT-Spezialist mit gefragten Skills, 70.000 € Angestellten-Gehalt

Empfehlung: Selbstständig

Hat das Marktwissen, könnte als Freelancer 800–1.200 €/Tag.

Bei nachgefragtem Skill und Selbstdisziplin Verdienst-Verdoppelung möglich. Trotz höherer KV-Beiträge und eigener Vorsorge bleibt deutlich mehr netto.

Familienvater mit 2 Kindern, sucht Sicherheit

Empfehlung: Angestellt

Hauptverdiener mit hoher Verantwortung für Familie.

Anstellung mit GKV-Familienversicherung, Lohnfortzahlung, Kündigungsschutz und planbarer Karriere ist die rationalere Wahl. Selbstständigkeit erhöht Stress und Risiko der Familie.

Methodologie & Quellen

Kernformel

Netto = Brutto − Lohnsteuer − Soli − KiSt − KV − PV − RV − ALV (AN-Anteile)

Annahmen

  • KV-Beitrag 14,6 % paritätisch + Zusatzbeitrag Ø 2,9 %.
  • PV-Beitrag 3,6 %, kinderlose AN +0,6 % Zuschlag.
  • RV-Beitrag 18,6 %, ALV 2,6 % – jeweils paritätisch.
  • Steuerklassen: I/II/III/IV/V/VI – Berechnung mit aktuellen Programmablaufplänen des BMF.
  • Sachbezüge (Dienstwagen 1 %-Regel, BEV 0,25 %) in geldwerten Vorteil eingerechnet.

Datenquellen

Methodologie zuletzt redaktionell geprüft: 08. Mai 2026

Häufige Fragen & Antworten

Alles, was du zu diesem Thema wissen musst.

Freiwillige GKV: 280–850 €/Monat (einkommensabhängig, mit durchschnittlichem Zusatzbeitrag 2,9 % 2026). Pflegeversicherung 3,6 % bzw. 4,2 % bei Kinderlosen. Rentenversicherung freiwillig oder Pflicht (Künstlersozialkasse, Lehrer). Ohne RV-Beitrag: keine Rente! Berufsunfähigkeit private Versicherung 80–250 €/Monat. Insgesamt 550–1.700 €/Monat Sozialabgaben.
Einkommensteuer (progressiv 14–45 %), ggf. Gewerbesteuer (Freibetrag 24.500 €), Umsatzsteuer (19 % oder 7 %, Kleinunternehmer-Regelung bis 22.000 € Umsatz). Plus Solidaritätszuschlag und ggf. Kirchensteuer. Quartalsweise Vorauszahlung an Finanzamt.
Bei Umsatz < 50.000 € und einfacher Tätigkeit: oft selbst machbar mit Tools (Lexoffice, Sevdesk). Ab 100.000 € oder GmbH/Bilanz-Pflicht: Steuerberater-Pflicht-faktisch. Kosten 1.000–3.000 €/Jahr für EÜR, 3.000–10.000 €/Jahr für Bilanz.
GKV-Krankengeld erst ab 7. Woche und nur 70 % vom Brutto. Privat: Krankentagegeld-Versicherung (40–150 €/Monat) für ersten 6 Wochen oder höhere Tagessätze. Kritischer Punkt: ohne Absicherung droht im Krankheitsfall sofortiger Einkommensverlust.
Faustregel: Stundensatz mindestens 2,5x angestellten Stundenlohn (für Sozialabgaben, Steuern, Ausfallzeiten). Bei 70.000 €/Jahr angestellt sollte Selbstständigkeit ~150.000 € Brutto-Honorar generieren, um netto vergleichbar zu liegen. Plus Risikoaufschlag.

Fazit & Empfehlung

Die Wahl zwischen Selbstständigkeit und Anstellung ist eine der weitreichendsten Lebensentscheidungen mit erheblichen finanziellen Implikationen, die viele unterschätzen. Selbstständigkeit kann finanziell sehr lukrativ sein, aber nur unter klaren Voraussetzungen: nachgefragte Skills im Markt, Disziplin in Akquise und Buchhaltung, ausreichende Reserven für Auftragsdellen, und der Wille, alle Sozialleistungen selbst zu organisieren. Der Brutto-Stundensatz eines Selbstständigen muss etwa 2,5-mal so hoch sein wie der Stundenlohn eines Angestellten in derselben Tätigkeit, um nach Sozialabgaben, Steuern, Urlaubsausfall und Krankheitstagen netto auf vergleichbarem Niveau zu landen. Wer das nicht durchrechnet und nur auf den höheren Tagessatz schaut, lebt in einer Illusion – ein 800 €/Tag-Freelancer mit 200 verkauften Tagen pro Jahr verdient brutto 160.000 €, aber netto nach allen Kosten oft nur das Niveau eines 65–75.000 €-Angestellten. Die Anstellung bleibt für die Mehrheit der Berufstätigen die rationale Wahl, vor allem in Lebensphasen mit hoher Sicherheits-Anforderung: Familie mit Kindern, Hauskauf, Phasen mit gesundheitlicher Unsicherheit. Bezahlter Urlaub, Lohnfortzahlung, Kündigungsschutz, Arbeitslosenversicherung, hälftiger Krankenversicherungsbeitrag, automatische Rentenversicherung – diese Leistungen summieren sich zu einem geldwerten Vorteil von oft 25–35 % des Bruttogehalts, der in einfachen Vergleichen nicht auftaucht. Wer als Familienvater mit drei Kindern und Hypothek einen 70.000-€-Job aufgibt, um sich selbstständig zu machen, sollte die nichtfinanzielle Stress-Komponente nicht unterschätzen. Eine pragmatische Mittelposition ist der Übergang über Side-Hustle: nebenberuflich selbstständig starten, Marktnachfrage und eigene Disziplin testen, Kundenstamm aufbauen, dann erst voll umsteigen, wenn das Side-Income mindestens 60–70 % des Hauptjob-Einkommens erreicht. Diese Brückenstrategie reduziert Risiko massiv und erlaubt eine ehrliche Selbsteinschätzung. Wer den Sprung wagt, sollte unbedingt eine Berufsunfähigkeitsversicherung, Krankentagegeld und private Altersvorsorge organisieren – sonst trägt man im Notfall ein systemisches Risiko, das Angestellte nicht kennen.

Quellen

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