Vergleich · Investieren

Bausparvertrag vs. ETF

Bausparvertrag oder ETF-Sparplan: Welche Form passt zu welchem Ziel? Renditen, Förderungen und Hauskauf-Strategien im Vergleich.

Von Marie Halberg · Geld, Investieren und Steuern
Veröffentlicht: · Zuletzt aktualisiert:
Option A

Bausparvertrag

Kosten: 0,51,6 % Abschlussgebühr
Ideal für
  • · Konkrete Hauskauf-Pläne in 8–15 Jahren
  • · Junge Sparer für Wohnungsbauprämie
  • · Risikoscheue Anleger mit Immobilienziel
Option B

ETF-Sparplan

Kosten: 0,070,3 % TER
Ideal für
  • · Langfristiger Vermögensaufbau
  • · Flexible Lebensplanung
  • · Anleger mit 10+ Jahren Horizont

Quick-Verdict

Wenn junger mensch, 22 jahre, will in 10–12 jahren haus bauen: Bausparvertrag (Option A) oder ETF-Sparplan (Option B)?  Lies die Empfehlung pro Szenario weiter unten oder die ausführliche Conclusion am Seitenende.

Vergleichs-Tabelle

KriteriumBausparvertragETF-SparplanSieger
Erwartete Sparrendite p.a.0,1–1 % Sparzinsen + ggf. Prämien~7 % p.a. langfristig Option B

Bausparkassen-Sparzinsen sind sehr niedrig, ETFs liefern langfristig Faktor 7 mehr.

Zinssicherung Darlehenfix für 10–25 Jahrekein Effekt Option A

Wer in 10 Jahren ein Darlehen zu heutigen 3 % möchte, sichert sich das nur mit Bausparvertrag.

Flexibilitätgering (zweckgebunden)hoch (jederzeit verfügbar) Option B

ETF kann für jedes Ziel umgeschichtet werden, Bausparen ist auf Wohnzwecke fixiert.

FörderungWohnungsbauprämie + Arbeitnehmersparzulagekeine direkte staatliche Förderung Option A

Bei Geringverdienern und VL-Sparern können Förderungen 50–100 €/Jahr ausmachen.

Kosten0,5–1,6 % Abschlussgebühr + Kontoführung0,07–0,30 % TER Option B

Bausparen hat hohe Einmalkosten und niedrige Verzinsung, ETFs sind durchgängig kostenoptimiert.

Inflations-Schutzgeringhoch Option B

Aktien als Sachwerte gleichen Inflation aus, Bausparzinsen sind nominal fest.

Bausparvertrag – Pro & Contra

Vorteile
  • Zinssicherung über 10–20 Jahre für späteres Darlehen
  • Wohnungsbauprämie / Arbeitnehmer-Sparzulage möglich
  • Disziplinierender Effekt
  • Gezielter Einsatz für Hauskauf/Modernisierung
Nachteile
  • Sehr niedrige Sparzinsen (oft < 0,1 %)
  • Hohe Abschlussgebühr (1 % der Bausparsumme)
  • Komplexe Zuteilungsregeln
  • Bindung des Kapitals

ETF-Sparplan – Pro & Contra

Vorteile
  • Höhere langfristige Rendite (~7 % p.a.)
  • Flexibel einsetzbar (nicht zweckgebunden)
  • Niedrige Kosten (0,07–0,30 % TER)
  • Inflations-Schutz
  • Vorzeitig verfügbar
Nachteile
  • Kursrisiko – Verlustphasen möglich
  • Zinssatz für späteres Darlehen nicht gesichert
  • Disziplin liegt beim Anleger

Typische Szenarien

Junger Mensch, 22 Jahre, will in 10–12 Jahren Haus bauen

Empfehlung: Bausparvertrag

Klare Hauskauf-Perspektive, will Zinsrisiko hedgen.

Hier ist der Bausparvertrag als Zinssicherungs-Werkzeug sinnvoll. Empfehlung: Kombination aus kleinem Bausparvertrag (Bausparsumme 30–50.000 € als Zinshedge) und parallelem ETF-Sparplan.

Sparer 35 Jahre, Vermögensaufbau ohne festes Ziel

Empfehlung: ETF-Sparplan

Will langfristig Vermögen aufbauen, ohne sich auf Hauskauf festzulegen.

ETF ist hier klar überlegen: höhere Rendite, volle Flexibilität. Bausparen wäre eine Wette auf festes Lebensszenario, das oft anders kommt.

Methodologie & Quellen

Kernformel

Endwert = Sparrate × ((1 + r)^n − 1) ÷ r − Steuern (TER + Vorabpauschale + Abgeltung)

Annahmen

  • Erwartete Aktien-ETF-Rendite langfristig: 7 %/Jahr nominal vor Kosten und Steuern.
  • Inflation 2 %/Jahr im langfristigen Durchschnitt.
  • TER MSCI World ETFs: 0,12–0,22 %.
  • Vorabpauschale: 70 % des Basiszinses (2024: 2,29 %), Aktien-ETF nach 30 % Teilfreistellung.
  • Abgeltungsteuer 25 % + Soli 5,5 % = effektiv 26,375 %, Sparerpauschbetrag 1.000 €/2.000 €.

Datenquellen

Methodologie zuletzt redaktionell geprüft: 08. Mai 2026

Häufige Fragen & Antworten

Alles, was du zu diesem Thema wissen musst.

Bei Geringverdienern ja: Wohnungsbauprämie 8,8 % auf bis zu 700 €/Jahr (Single) = max. 62 €/Jahr. Arbeitnehmer-Sparzulage 9 % auf bis zu 470 €/Jahr = max. 43 €. Insgesamt 100+ € Förderung pro Jahr für Geringverdiener. Bei höheren Einkommen entfällt die Förderung.
In drei Konstellationen: (1) Junge VL-Sparer mit Arbeitgeber-Beitrag, der den Vertrag mitfinanziert, (2) Sehr konkrete Bau-/Kaufpläne in 8–12 Jahren mit Wunsch nach Zinssicherung, (3) Modernisierungs-Bausparen für planbare Sanierung. In allen anderen Fällen ist ETF besser.
Faustregel: das spätere Bauspardarlehen sollte 25–40 % der erwarteten Finanzierungssumme decken. Bei 400.000 € Hauskauf also 100.000–160.000 € Bausparsumme. Höhere Bausparsumme = höhere Abschlussgebühr (1 %).
Auszahlung möglich, aber: Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmer-Sparzulage müssen zurückgezahlt werden (sofern in den letzten 7 Jahren bezogen). Bei nicht zweckgebundener Auflösung Zinsen wie ein normales Tagesgeld.
Ja, das ist sogar oft die beste Strategie. Kleiner Bausparvertrag (Sparrate 50–80 €/Monat) als Zinshedge, parallel ETF-Sparplan (200–400 €/Monat) als Vermögensaufbau. So kombiniert man Zinssicherung mit Renditechance.

Fazit & Empfehlung

Bausparverträge waren in Hochzinsphasen ein vernünftiges Sicherheits-Instrument, sind aber 2026 in den meisten Konstellationen ein Auslaufmodell. Drei Faktoren erklären das. Erstens die extrem niedrigen Sparzinsen: viele Bausparkassen verzinsen das angesparte Kapital mit 0,1–0,5 %, während ein ETF-Sparplan langfristig 7 % bringt – über 15 Jahre summiert sich diese Differenz auf einen Faktor 3 bei den Endbeträgen. Zweitens die hohen Abschlussgebühren von 1 % der Bausparsumme, die direkt bei Vertragsabschluss Rendite vernichten. Drittens die Komplexität der Zuteilungsregeln: Wer den Bausparvertrag nicht zur richtigen Zeit "abruft", verliert die Zinssicherung oder muss ungewollt warten. Förderungen wie Wohnungsbauprämie und Arbeitnehmer-Sparzulage existieren weiterhin, sind aber nur bei Geringverdienern relevant und gleichen die Renditenachteile selten aus. Sinnvoll bleibt der Bausparvertrag in einem schmalen Anwendungsfeld: als Zinssicherungs-Instrument für junge Menschen mit konkretem Bau- oder Kaufziel in 8–12 Jahren. Wer heute weiß, dass er Anfang Mitte-Dreißig ein Haus für 400.000 € finanzieren wird, kann mit einem kleinen Bausparvertrag (Bausparsumme 80.000–120.000 €) den heutigen Darlehenszins von 2,5–3 % für sich sichern. Wenn die Bauzinsen bis dahin auf 5–6 % steigen, ist diese Zinssicherung Gold wert. Die optimale Kombination: kleiner Bausparvertrag plus großer ETF-Sparplan – der Bausparvertrag deckt die Zinssicherung, der ETF maximiert das Eigenkapital. Wer hingegen kein konkretes Wohnziel hat oder sehr flexibel bleiben will, sollte komplett auf ETF setzen. Auch wer hofft, in 5–7 Jahren zu kaufen, ist mit ETF besser bedient – der Anlagehorizont ist dann zu kurz, um Bausparen rentabel zu machen, und der ETF-Bestand kann später als Eigenkapital eingesetzt werden.
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Quellen

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