Ausführliche Erklärung
Der Realzins ist eine der wichtigsten Kennzahlen für Anleger. Während der Nominalzins angibt, wie viel Prozent Zinsen ein Anleger nominal bekommt (z. B. 2,5 % auf Tagesgeld), zeigt der Realzins, was nach Berücksichtigung der Inflation an realer Kaufkraft übrig bleibt.
Formel (Fisher-Gleichung, vereinfacht): Realzins ≈ Nominalzins − Inflationsrate
Exakt: Realzins = (1 + Nominalzins) / (1 + Inflationsrate) − 1
Beispiele Mai 2026:
- Tagesgeld: 2,5 % nominal − 2,7 % Inflation = −0,2 % real
- Bundesanleihe 10 Jahre: 2,8 % − 2,7 % = +0,1 %
- ETF-Welt langfristig: 7 % − 2,5 % = +4,5 % (Erwartungswert)
- Inflation 1993–2025 Durchschnitt: ~2 %
Nach Steuern verschärft sich das Bild: Tagesgeld 2,5 % minus Abgeltungsteuer 26,38 % = 1,84 % nach Steuer. Minus 2,7 % Inflation = −0,86 % real nach Steuern. Über 10 Jahre verliert das Geld auf dem Tagesgeld ca. 8 % Kaufkraft.
Negative Realzinsen waren in der Niedrigzinsphase 2010–2022 die Norm. EZB-Einlagezinssatz lag teilweise bei −0,5 %, Tagesgeldzinsen bei 0–0,5 %, Inflation 1,5–2,0 % – Sparer verloren jährlich 1–2 % Kaufkraft. Die Inflationswelle 2022/2023 (8 % bzw. 5,9 %) bei nominalen Zinsen unter 2 % führte zu real −5 bis −7 % – einer der schlimmsten Vermögensverluste für deutsche Sparer der letzten Jahrzehnte.
2026 ist die Lage gemischt: Nominale Zinsen sind gestiegen, aber Inflation bleibt mit 2,7–2,9 % erhöht. Tagesgeld ist real schwach negativ, Aktien-ETFs liefern weiterhin reale 4–5 % p.a. Erwartungswert.
Inflationsindexierte Anleihen (TIPS in den USA, ILBs in der EU) bieten einen "echten" Realzins, weil ihr Coupon und Nennwert mit der Inflation steigen. iShares Global Inflation Linked Government Bond ETF ist die zugängliche Variante für Privatanleger.