Ausführliche Erklärung
Der Zinseszins-Effekt ist der wichtigste Hebel für langfristigen Vermögensaufbau. Während einfache Zinsen ein lineares Wachstum erzeugen (jedes Jahr derselbe Zins-Betrag), wachsen Kapitalanlagen mit Zinseszins exponentiell – die Zinsen vermehren sich mit den Zinsen.
Formel: Endkapital = Anfangskapital × (1 + Zinssatz)^Jahre
Beispiel: 10.000 € bei 7 % p.a. ohne Einzahlungen:
- Nach 10 Jahren: 19.672 € (+97 %)
- Nach 20 Jahren: 38.697 € (+287 %)
- Nach 30 Jahren: 76.123 € (+661 %)
- Nach 40 Jahren: 149.745 € (+1.397 %)
Die 72er-Regel ist die Faustformel: Verdopplungszeit = 72 / Zinssatz. Bei 7 % verdoppelt sich Kapital alle ~10 Jahre. Bei 4 % alle 18 Jahre. Bei 10 % alle 7,2 Jahre.
Im ETF-Sparplan kombiniert sich Zinseszins mit dem Cost-Average-Effekt zu noch stärkerem Wachstum:
- 200 €/Monat × 30 Jahre × 7 % p.a. = 244.000 € Endvermögen aus 72.000 € Einzahlung
- 200 €/Monat × 40 Jahre × 7 % p.a. = 524.000 € Endvermögen aus 96.000 € Einzahlung
Die zusätzlichen 10 Jahre verdreifachen das Endvermögen praktisch – obwohl nur 33 % mehr Geld eingezahlt wurden. Das ist der psychologisch oft unterschätzte Hebel: frühes Anfangen ist deutlich wertvoller als hohe Sparraten in späten Jahren.
Real-Inflation muss bedacht werden: Bei 2,5 % Inflation und 7 % nominaler Rendite bleibt eine reale Rendite von 4,4 %. 100.000 € in 30 Jahren entsprechen real nur ~50.000 € heutiger Kaufkraft. Wer langfristig plant, sollte daher mit realer Rendite rechnen, nicht mit nominaler.